"Hamburger Abendblatt" vom 8./9. Januar 2011

Was macht eigentlich

ein Tontechniker? Er sorgt für guten Klang – auf CDs, beim Film, bei Konzerten oder Kongressen

Chan Sidki-Lundius

Tontechniker Hendrik B. [Dozent an der audioacademy: EDV- und Musikschule Dirk Möller] ist immer auf der Suche nach dem optimalen Klang. Dazu sitzt er in seinem Tonstudio in Wandsbek an einem Mischpult mit vielen Reglern, einem großen Touchscreen-Monitor und jeder Menge Lautsprechern. Er ist dabei, aus einzelnen Tonspuren mit Instrumenten- und Stimmaufnahmen Musik zu mischen – nach den Vorstellungen der Künstler und Produzenten.
Zum Einsatz kommt der Tontechniker aber auch außer Haus, zum Beispiel, wenn er für Live- Auftritte vor Ort gebucht wird. Auf Messen oder bei anderen großen Veranstaltungen wie dem Hamburger Alstervergnügen ist der 33-Jährige dafür verantwortlich, dass Sprache und Bühnensound beim Publikum akustisch gut ankommen und dass die Technik reibungslos funktioniert.
Da ist meistens auch Körperkraft gefragt: "Live-Produktionen können sehr lang und äußerst anstrengend sein. Vom Aufbau der Technik bis zum vollständigen Abbau gehen oft viele Stunden ins Land", sagt der Tontechniker. "Häufig ist man erst früh morgens mit allem fertig."
Tontechniker werden auch dafür gebucht, bei Film- oder Radioproduktionen für den perfekten Ton zu sorgen. Dafür wählen sie unter anderem die Mikrofone und Aufnahmegeräte aus, bauen sie an den richtigen Stellen auf und nehmen Dialoge, Hintergrundgeräusche und andere benötigte Klänge auf. [...]
Um Tontechniker zu werden, kann man verschiedene Wege beschreiten. Es gibt Studiengänge an verschiedenen Hochschulen, zum Beispiel am Tonmeisterinstitut der Universität der Künste in Berlin oder am Fachbereich Medientechnik der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Außerdem bieten verschiedene Schulen praxisorientierte Ausbildungen an. Möglich ist auch eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton, etwa beim NDR oder im Studio Hamburg.
Hendrik B. hat [...] wie viele andere Kollegen [...] den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. "In diesem Job muss man ein guter Netzwerker und in technischen Belangen immer auf dem Laufenden sein", sagt B., der selbst leidenschaftlich gern Musik macht. Wichtig seien außerdem ein gutes Ohr, Einfühlungsvermögen, Stressresistenz, Organisationsvermögen sowie Spaß an der Arbeit mit dem Computer. "Aber wenn ein Musiker schlecht spielt, dann ist für den Tontechniker vor allem Schadensbegrenzung angesagt."
"Für Tontechniker wird es immer schwerer, Fuß zu fassen", sagt Dirk Möller, Leiter der Audioacademy in Hamburg. Die Konkurrenz ist groß, und es reicht nicht mehr aus, das Mischpult zu beherrschen. Auch der kreative Teil des Berufs muss bedient werden: Kompositionsfähigkeiten, Marketingwissen und theoretische Musikkenntnisse sind zunehmend gefragt."


Perspektiven

Je nach Branche und Region schwanken die Einkommen von Tontechnikern stark. Im Live-Bereich verdienen sie zum Beispiel weniger als beim Radio oder Fernsehen.
Das durchschnittliche Bruttoeinkommen der Tontechniker liegt zwischen 2000 und 3000 Euro monatlich. Der Stundensatz für Freiberufler beträgt in der Regel 20 bis 30 Euro. (csl)


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