dpa-Artikel, Januar 2002:

Jingle soll im Ohr hängen bleiben. Für den Audio-Designer sind gute Kontakte in der Musikszene Gold wert
– Feste Anstellungen gibt es in diesem Metier kaum.

Auch Homepages klingen. Zum Beispiel hat die der Bärbel-Schäfer-Talkshow auf RTL ein eigenes Jingle. Komponiert wurde es von 'Sound-Feinschmecker Tom Deininger'. Wie die meisten Melodien für Film, Fernsehen oder Werbung klingt das Bärbel-Jingle zwar im Ohr, doch hängen bleibt es nicht. Hier rein, da raus – und das ist gut so.
'Die besten Sounds sind die, die sich nahtlos in ihr Umfeld fügen', sagt Jörn Erkau aus Hamburg. Erkau ist Audio-Designer und hat sich selbstständig gemacht, um das Internet zu vertonen. Dafür hat sich der Musiker und Ex-Produzent der Weather Girls die notwendigen technischen Kenntnisse im Selbststudium angeeignet.
Begonnen hat Erkau sein Berufsleben als Einzelhandelskaufmann. 'Es interessiert niemanden, was du vorher gemacht hast', sagt Denis Androic, gelernter Chemisch-Technischer Assistent und Musiker aus Leib und Seele. Er ist 'Einmannunternehmer' in Fulda. Über sieben Ecken sei er zum Audio-Design gekommen, irgendwann war da die Komposition für ein Kindertheater – der erste Auftrag. 'Da dachte ich mir: Was im Kleinen funktioniert, kann ja auch gut gehen, wenn ich es größer aufziehe.'

Schnell muss es gehen

Heute arbeitet Androic vor allem für Werbeagenturen. Schnell muss es gehen – was auch bedeutet, dass der Audio-Designer nicht lange nach Musikern oder Sängern suchen kann, die den Song einspielen, sondern wissen muss, wen er für welchen Part engagieren kann. 'Gute Kontakte in die Musik-Szene sind für diesen Beruf das A und O.' Auch ein eigenes Equipment gehört für den selbstständigen Audio-Designer dazu: das Tonstudio und der Computer, um die Aufnahmen zu digitalisieren. Der Beruf wird vom Finanzamt in der Regel zu den künstlerischen Tätigkeiten gezählt. Audio-Designer können freiberuflich tätig sein und müssen kein Gewerbe anmelden. Fest angestellte Auftragskomponisten sind die Ausnahme. Im Unterschied zum Sound-Designer, der für die Geräuschkulissen im Fernsehen zuständig ist, arbeitet der Audio-Designer meist auf eigene Rechnung. Auch bei Multimedia-Produzenten, wo der Sound eine immer größere Rolle spielt, ist eine Festanstellung für das 'Sound-Composing' unüblich. Zumal dieser Bereich 'ohnehin erst kurz vor seiner Entdeckung steht', so Erkau. Bis vor kurzem galt jeder Sound im Internet als Speicherfresser, auf den der Programmierer zu Gunsten einer höheren Ladegeschwindigkeit verzichtete. 'Im Zuge neuer Technologien hat sich das verändert.' Doch noch gibt es zu wenige Spezialisten, die das musikalische Gefühl und Vorwissen sowie das technische Know-How mitbringen, um Webseiten oder CD-Produktionen zu vertonen. Diese Lücke hat die Hamburger EDV- und Musikschule Dirk Möller besetzt, die in einem zehnmonatigen Vollzeit-Lehrgang zum Audio-Designer ausbildet. Hamburg sei ein idealer Standort für eine solche Weiterbildung: 'Hier sitzen schließlich 60 Prozent aller Musikproduzenten', erklärt Geschäftsführer Dirk Möller. Trainer ist ein ehemaliger Cellist des Landestheaters Halle. Die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Von Musik begeistert sein

Begeisterung für Musik und Computer ist eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Kurs, bei dem jeder Teilnehmer über einen leistungsstarken PC, Keyboard und DSL-Internetzugang verfügen darf. Nach dem Lehrgang können sich Audio-Designer mit einem Tonstudio selbstständig machen. Aber auch verschiedene Positionen in Festanstellung bieten sich an. 'Der Vertrieb von Musiksoftware ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten', sagt Möller. Auch in der Produktion von Webseiten sind die Absolventen einsetzbar – als Webdesigner mit dem Spezialgebiet 'Sound' –, da sie im Kurs auch Programmierkenntnisse erwerben. Chancen bieten sich zum Teil in den Unternehmen selbst, derzeit seltener bei Multimedia-Agenturen. Auch als Auftraggeber für freie Audio-Designer spielt die Multimedia-Branche mehr oder weniger nur eine untergeordnete Rolle. 'Die unterschätzen oft völlig, was so eine Komposition kostet', so Androic, Mitglied des Composer's Club mit Sitz in Lintig-Meckelstedt (Niedersachsen). Der Club gehört zum Berufsverband der Auftragskomponisten, zu denen auch die Audio-Designer zählen.


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